Interesse?

News-Feed

Robo-Advice bietet maßgeschneiderte Angebote für das Wertpapiergeschäft

Der digitalen, vollautomatischen Anlageberatung Robo-Advice wird eine vielversprechende Zukunft prophezeit. In Deutschland sind es bislang vor allem FinTech-Plattformen, die auf die noch junge Marktnische setzen und mithilfe von Computermodellen maßgeschneiderte Anlageangebote bereitstellen. Für wen aber eignen sich die automatisierten Beratungen? Und müssen menschliche Finanzexperten schon bald um ihren Job bangen?

Dass Vermögensberater automatisierte Verfahren für das Management der Kundenanlagen benutzen – etwa zur Portfoliokonstruktion –, ist nicht neu. Das Konzept der Robo-Advisors geht jedoch weit darüber hinaus und verspricht, dass alle notwendigen Beratungs- und Verwaltungsprozesse nach dem Registrierungsverfahren ganz ohne menschliches Zutun übernommen werden. Der Vorteil der mithilfe von mathematisch komplexen Computeralgorithmen realisierten neuen Angebote: Sie lassen sich leichter und individueller an den Bedarf der jeweiligen Anleger anpassen, arbeiten im besten Fall effizienter und sparen Kosten durch den Wegfall der Fondsmanager.

 

Während in den USA bereits unzählige Unternehmen ­Robo-Advisors anbieten, ist die Zahl der Dienste in Deutschland noch überschaubar. Derzeit gibt es hierzulande rund 40 Anbieter, wobei sich die jeweiligen Robo-Advisors vor allem darin unterscheiden, welche Zielgruppe sie fokussieren, welche Funktionalität sie bieten und wie konkret und verbindlich die Anlageempfehlungen gegeben werden. „Robo-Advice bietet gerade Kleinanlegern den Zugang zu einer kostengünstigen, transparenten und verständlichen Anlageberatung und kann bestehende Hürden für die Wertpapieranlage senken“, so die Einschätzung von Holger Junghanns, Experte für Digitalisierung im Bereich Financial Services bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

„In der Bank vorhandene Kundendaten werden vielfach noch nicht von Robo-Advisors genutzt, sodass Kunden aufgefordert sind, bei der Dateneingabe bei null zu beginnen.“ Holger Junghanns

Laut Junghanns werden Robo-Advice-Angebote derzeit eher von erfahrenen Anlegern genutzt, die ihre Risikobereitschaft gut einschätzen können. Doch der Nutzerkreis könnte sich schon bald erweitern, vor allem unter den jungen und internetaffinen Anlegern, wie eine Umfrage von PwC zeigt. Unter 1.000 befragten Privatkunden in Deutschland wünscht sich ein Drittel der Befragten, dass ihre Bank Robo-Advice anbietet. Knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer gab an, dass sie einen Robo-Advisor dem menschlichen Vermögensberater vorziehen würden, wenn sie dadurch Gebühren sparen könnten.

 

Entscheidend für die Qualität der digitalen Dienste ist ein Fragenkatalog, der im Wesentlichen alle Themen abarbeitet, die bislang im Gespräch mit dem menschlichen Berater behandelt wurden. Darunter fallen neben relevanten persönlichen Angaben wie dem Alter vor allem Fragen zur Risikoneigung, der Anlagesumme und dem Anlagezeitraum. Manche Robo-Advisors stellen allerdings auch sehr konkrete Fragen zu bestimmten Verhaltensmustern und wollen beispielsweise wissen, wie man reagieren würde, wenn eine plötzliche Veränderung der Marktsituation eintritt. Zu welchen vermögensrelevanten Entscheidungen die Antworten der Kunden führen, das bestimmen anschließend allein die Algorithmen der Robo-Advisors. Diese sind nach den Methoden der modernen Finanztheorie programmiert. Wie gut oder schlecht die Computerprogramme in der Praxis funktionieren, hängt maßgeblich mit dem Können der jeweiligen Mathematik- und Informatikexperten zusammen, die sie entwickeln. Angesichts der prognostizierten Wachstumschancen für den Markt der Robo-Advisors lässt sich bereits erahnen, welche Chancen hierbei für Wirtschafts- und Informatikstudenten in den nächsten Jahren entstehen, die sich frühzeitig mit Themen der digitalen Finanzindustrie auseinandersetzen.

 

Wie die bestehenden Robo-Advice-Angebote zeigen, gibt es laut PwC-Experte Junghanns vor allem hinsichtlich der Fragenkataloge Optimierungsbedarf. „Sie sind häufig noch komplex und rein aus Sicht der Banken gestaltet. In der Bank vorhandene Kundendaten werden vielfach noch nicht von Robo-Advisors genutzt, sodass Kunden aufgefordert sind, bei der Dateneingabe bei null zu beginnen.“ Hier seien Wirtschaftsinformatiker und andere IT- und Kommunikationsexperten gefragt, um intelligente und kundenfreundliche Lösungen zu schaffen.

 

Zuerst erschienen auf wired.de