Interesse?

News-Feed

Menschen, Maschinen, Manager

Digitalisierung bedeutet nicht, dass Algorithmen die Macht übernehmen: Ausschlaggebend für den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens ist weiterhin der Mensch. Und das vielleicht mehr denn je, wie die Umfrage „20th CEO Survey“ von PwC belegt.

Seit 20 Jahren befragt das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC jährlich führende CEOs über aktuelle Entwicklungen und zukünftige Tendenzen der Arbeitswelt. Auch für die 20. Ausgabe der Umfrage öffneten knapp 1.400 CEOs weltweit ihr Office, um Einblicke in die spezifischen Auswirkungen und Herausforderungen zu geben, die auf ihre Branchen durch die Digitalisierung zukommen werden.

 

Gleichzeitig wurden 5.000 Bürger aus 22 Ländern ähnliche Fragen gestellt. Sie sollten erklären, wie sie die Digitalisierung empfinden, was sie von ihr erwarten oder was sie durch sie befürchten. Der Vergleich dieser beiden Umfragen verdeutlicht, dass zwischen Unternehmensleitung und Angestellten eine Differenz in der Wahrnehmung herrscht, was Digitalisierung bedeutet, wofür sie steht und welche Vor- oder Nachteile sie am Arbeitsmarkt bereithält.

Kombination von Technik und menschlichen Fähigkeiten

Aufseiten der Bürgerbefragung stach vor allem eine Zahl hervor: 79 Prozent der befragten Menschen waren der Meinung, dass Technologie in den nächsten fünf Jahren zu Verlusten von Arbeitsplätzen führen wird, also nahezu vier von fünf Befragten. Diese hohe Zahl mag auch nicht weiter verwundern: Vor 20 Jahren gab es weltweit weniger als 700.000 Industrieroboter, heute sind es jedoch 1,8 Millionen – und diese Zahl könnte bis ins Jahr 2019 auf 2,6 Millionen hochschnellen. Roboter haben den Servicebereich erobert, 3-D-Druck wird im Auto- und Flugzeugbau eingesetzt, Biotechnologie verändert die Art, wie wir Essen und Arzneimittel produzieren. Künstliche Intelligenz wird vom Transportsystem bis zu Bereichen wie Viehhaltung oder Human Resources noch viele Branchen umkrempeln. Selbst die Art, wie wir lieben und Beziehungen pflegen, ist diesem Wandel unterworfen – Dating-Plattformen mit Matching-Algorithmen sind längst im Alltag angekommen.

 

Kurzum: Maschinen sind überall, aber was sie eigentlich leisten, scheint nicht hinlänglich bekannt. Wie in Science-Fiction-Filmen sehen sich viele Menschen durch Software und Automatisierung ihrer Arbeit, ihres Einkommens oder ihres Wertes beraubt. Flankiert werden diese Befürchtungen oftmals von einer medialen Berichterstattung, die in jeder neuen Technologie eine weitere Stufe der Entmenschlichung wittert.

Hiring, not firing

Zugegeben, dafür spricht einiges – jedoch nur auf den ersten Blick: Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden bis zum Jahr 2025 rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze wegfallen – allerdings werden zugleich rund 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Dieser Übergang ist Herausforderung wie Chance zugleich. Unternehmen wie auch Politik sind gefordert, diese Entwicklung mit entsprechender Aus- und Fortbildung zu lenken. Technologie schafft neue Arbeit, und das nicht nur für Menschen, die sie entwerfen, beaufsichtigen und erhalten.

 

Die befragten Manager der „20th CEO Survey“ jedenfalls haben nicht vor, ihre menschlichen Mitarbeiter samt und sonders durch Maschinen zu ersetzen: Nur 16 Prozent der befragten CEOs wollen die Zahl ihrer Mitarbeiter verringern – wobei anteilig wiederum nur ein Viertel angibt, dass die Hauptursache für diese Entscheidung in Technologie begründet liegt.

 

Demgegenüber wollen 52 Prozent der CEOs mehr Mitarbeiter einstellen. Denn die meisten Führungskräfte betrachten als wichtigsten Faktor für den Erfolg ihrer Unternehmen weiterhin den Menschen. Warum? Die Fähigkeit zur Innovation, die sie als die wichtigste erachten, um auch in Zukunft erfolgreich auf dem Markt bestehen zu können, kann von Maschinen nicht reproduziert werden.

Grafik: CEO´s top business priorities

Der Vorteil der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine

Die Führungskräfte wissen, dass der Wert in der Kombination von Technologie und menschlichen Fähigkeiten entsteht. Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine kann mehr Wert generieren als beide getrennt für sich allein.

 

Die Herausforderung der Zukunft wird sein, diese Schnittstelle mit genügend Mitarbeitern zu versorgen: Drei von vier CEOs befürchten, dass der prognostizierte Talentmangel, der oft zitierte „War for Talents“, das Wachstum ihres Unternehmens beeinträchtigen könnte. Kreative, innovative Leader mit emotionaler Intelligenz sind ein rares Gut.

Die Antwort bleibt der Mensch

Letztendlich ist es die Fähigkeit, sich neue Fertigkeiten anzueignen, die bereits in vergangenen disruptiven Phasen dazu geführt hat, dass Menschen ihre Arbeit behalten haben. Wir leben in einer zunehmend virtuellen Welt. Maschinen und Algorithmen stehen hilfreich zur Seite. Entscheidend für den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens ist aber weiterhin der Mensch.

 

Wer diese Konstellation als Paradox betrachtet, hat das Wesen der Digitalisierung noch nicht erkannt – oder vielmehr ihre Potenziale wie auch Grenzen verkannt.