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Insurance Monitor: die Versicherungsbranche im Umbruch

Die Digitalisierung stellt Versicherer vor große Veränderungen. Aber auch hier gilt: Chance erkennen, Chance nutzen.

Die Versicherungsbranche ist vermutlich das Paradebeispiel einer Branche, in der persönlicher Kontakt als Standardmodell verinnerlicht wurde: auf der einen Seite der Vertreter, der dem Kunden einen individuellen Rabatt gewährt und einen Kugelschreiber zusteckt; auf der anderen Seite der Kunde, der zum Hörer greift, wenn die Kinder mal wieder die Scheibe eingeschlagen haben. Ein Verhältnis, das in manchen Fällen jahrzehntelang dauert, als käme es einer Ehe gleich.

 

Der Umbruch kommt

Durch die Digitalisierung steht die Versicherungsbranche jedoch vor einem essenziellen Wandel – so das Fazit der Studie „PwC Insurance 2020“. Kein Stein bleibt auf dem anderen – oder vielmehr: Keine Police bleibt auf der anderen.

Laut der unter rund 10.000 Versicherungskunden in 16 Ländern durchgeführten Studie gaben 26 Prozent der Befragten an, Versicherungen online gekauft zu haben, sowohl über den Computer als auch über das Smartphone. 71 Prozent der Befragten hatten sich bereits in Online-Vergleichsportalen oder auf Social-Media-Kanälen schlaugemacht, bevor sie ein Versicherungsprodukt kauften. Und 68 Prozent – also beinahe drei von vier befragten Kunden – wären bereit, eine App ihres Versicherungsunternehmens herunterzuladen.

 

Versicherungen auf Knopfdruck

In diesen Zahlen spiegelt sich weniger ein Misstrauen gegenüber dem persönlichen Kontakt wider als vielmehr das sich verändernde Kaufverhalten im digitalen Zeitalter. Online-Riesen wie Amazon bieten mit ihren simplen Modellen ein Kauferlebnis, das von einem Großteil der Menschen mittlerweile als selbstverständlich betrachtet wird.

Dieser Kauf auf Knopfdruck sorgt innerhalb der Versicherungslandschaft für einen grundlegenden Wandel, der weit darüber hinausgeht, dass der Vertreter als Mittelsmann wegfällt. Er führt vielmehr zu einem Umbruch in der Produktgestaltung: So geht die Entwicklung weg von Produkten mit einer breiten Risikostreuung und einem Solidaritätsprinzip hin zu einer stärkeren Individualisierung von Risikogruppen. Sprich: Der Kunde erwartet, nur das Risiko zu bezahlen, das er selbst tatsächlich darstellt. Zusätzlich möchte er in Echtzeit wissen, wie es um die Bearbeitung seines Falles steht – ein Umstand, der in Zukunft noch viel stärker in den Fokus rücken wird.

Dabei ist dem Kunden auch klar, dass Versicherungen ihre Daten nicht aus einer Zauberkugel holen können. Der Kunde von morgen ist bereit, etwas zu geben: So erklären sich 50 Prozent der Befragten damit einverstanden, dem Versicherer zusätzliche Daten zur Verfügung zu stellen, wenn sie dadurch an der Prämie sparen können; 67 Prozent würden sogar einen Sensor in ihrem Haus oder ihrem Wagen akzeptieren.

 

Was bedeutet das für die Zukunft?

Für die Zukunft bedeutet das: Daten – und mit ihnen die Data Scientists – sind wichtiger und gefragter denn je.

„Dabei gilt es, aus der sehr großen Menge vorhandener Daten die wirklich wertvollen herauszufiltern. Es geht um eine geschäftsorientierte Katalogisierung.“
Partner und Leader Patrick Mäder

Innerhalb des Versicherungsunternehmens muss offene Nutzungskultur gefördert werden, die jedem Fachbereich den unbürokratischen Zugriff auf die für ihn relevanten Daten ermöglicht, selbstverständlich ohne datenschutzrechtliche Standards zu vernachlässigen. Die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen und den IT-Kollegen, so die Auswertung der „PwC Insurance 2020“-Umfrage, sei auf eine neue Grundlage zu stellen. Analytics sollte als geschäftsgetriebene Aktivität wahrgenommen werden. Als essenziell betrachten es Experten, einen Chief Data Officer zu implementieren bzw. – falls bereits vorhanden – dessen Rolle zu stärken.

„Der Chief Data Officer sollte sich nicht nur für Compliance zuständig fühlen, sondern auch das Wachstum des Unternehmens im Fokus haben.“
Patrick Mäder

Nicht von ungefähr gaben 31 Prozent der befragten CEOs von Versicherungsunternehmen an, dass mangelnde Expertise bzw. Fähigkeiten sie momentan davon abhalten würden, mehr Nutzen aus Daten und Analytics zu ziehen.

 

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

Fakt ist: Versicherer, die nicht mit der Digitalisierung gehen, die nicht auf ein datenunterstütztes Arbeiten setzen oder digitale Transparenz für ihre Kunden vernachlässigen, werden am Markt verlieren – und das nicht erst 2020, sondern sehr viel früher.