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Felix Bellinger, Start-up-Experte bei PwC, im Porträt: „So liebe ich Digitalisierung“

Auf den ersten Blick sind es zwei Welten mit wenig Berührungspunkten: hier die traditionsstarken mittelständischen Unternehmen mit ihrem gefestigten Anspruch auf Weltklasse-Qualität, dort die jungen Start-ups in den hippen urbanen Hochburgen Berlin, Hamburg, Köln und München mit immer neuen digitalen und potenziell disruptiven Business-Ideen. Doch es gibt Digitalisierungsexperten, die davon überzeugt sind: Die eine Welt kann in Zukunft nicht mehr ohne die andere. Felix Bellinger von PwC zum Beispiel. Der 38-jährige Hamburger und sein Team vernetzen ausgewählte Start-ups passgenau mit dem deutschen Mittelstand – und sorgen so für fruchtbare Partnerschaften mit maximalem Zukunftspotenzial.

Felix Bellingers Leidenschaft für Digitalisierungsprozesse und Start-up-Vibes ist eng mit seiner eigenen Biografie verknüpft. Zu Beginn der 2000er Jahre durchlief er eine journalistische Ausbildung und erlebte in Zeitungsredaktionen am eigenen Leib, was es bedeutet, wenn sich eine ganze Berufsbranche von heute auf morgen neu erfinden muss. Statt sich der Abwärtsspirale der viel beschworenen Medienkrise zu unterwerfen, pflegte Bellinger allerdings lieber seine altersbedingte Aufbruchsstimmung und begriff die Digitalisierung als Chance für sich und andere. So war er vorn mit dabei, als der Axel Springer Verlag beschloss, Print- und Digital-Produkte künftig gleichwertig zu behandeln, und half 2003 dabei, die in Berlin ansässige Start-up-Plattform „Plug and Play Accelerator“ zu entwickeln und Partnerunternehmen zu gewinnen.

 

Dass er nun bei PwC, einem der führenden Experten-Häuser in Sachen Digitalisierung, von Hamburg aus Deutschlands dringend notwendige Modernisierung vorantreiben kann, kommt dem frisch gebackenen Vater („die beste Gründung meines Lebens“) und überzeugten Hanseaten sehr entgegen. Dabei schätzt er an seiner Arbeit für PwC vor allem „den Spielraum, Themen selbst zu setzen und zu verwirklichen, und: dass kein Tag dem anderen gleicht“. Der 38-Jährige ist viel unterwegs in Deutschland, berät und betreut Start-ups und mittelständische Unternehmen an ihren jeweiligen Standorten, nimmt an Workshops, Innovation Labs und Podiumsdiskussionen teil und hält stets die Augen offen, um neue nationale und internationale Innovatoren zu entdecken. „Ich versuche, mich intensiv innerhalb meines Netzwerks zu bewegen und es ständig zu erweitern. Denn umso mehr Start-ups und innovative Gründer ich kenne, desto mehr hilft das wiederum unseren mittelständischen Kunden“, betont Bellinger. Dabei legt er viel Wert auf ein flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten: „Die Dinge um mich herum müssen sich bewegen, sonst kann ich nicht kreativ sein und nachdenken. Neun Stunden nur im Büro zu sitzen und zu telefonieren, das wäre nichts für mich.“ 

Aus den Zeiten von 'Rapshot': Felix Bellinger & Jay Z

Wie notwendig seine umtriebige Vernetzungsarbeit für die deutsche Wirtschaft ist, spürt Bellinger beinahe täglich. „Bei den Start-ups hast du die kreativen, digitalen Nerds und Digital Natives, die sich eine Smart Solution überlegt haben, die Unternehmen weiterhelfen könnte. Und diese kreativen Köpfe suchen händeringend Business-Partner. Die Sache ist: Viele ihrer potenziellen Partner sind sehr traditionelle und sehr erfolgreiche Unternehmen, die ihrerseits Antworten auf die Digitalisierung brauchen – und zwar sehr schnell. Beide Seiten wissen nur meistens nichts voneinander“, erklärt Bellinger. Die Herausforderung seiner Arbeit besteht letztlich darin, genau zu wissen, welche Unternehmen Interesse an welchen digitalen Diensten und Produkten von Start-ups haben könnten. Haben zwei potenzielle Partner Interesse aneinander, sorgt Bellinger für eine professionelle Vernetzung und steht ihnen im Falle einer langfristigen Kooperation oder Übernahme beratend zur Seite.

 

Wie sehr er den technischen Fortschritt und die durch Digitalisierungsprozesse möglich gewordenen neuen Dienste auch privat zu schätzen weiß, ist dem 38-Jährigen kürzlich wieder bewusst geworden, als er in seiner Wohnung einen Ordner mit alten Analog-Fotos und Tonbändern fand. Die Bilder zeigen ihn mit Weltstars des Hip-Hop wie Jay Z und dem Wu-Tang Clan und stammen aus der Zeit, in der er eine eigene Radioshow („Rapshot“) in Hamburg moderierte. „Ich habe mir zuerst die Fotos von einem Hamburger Startup digitalisieren lassen – und dann die gesamten Radioaufnahmen, die auf den Bändern archiviert waren. Jetzt kann ich sie immer in der Bahn über mein Smartphone hören und in Erinnerungen schwelgen. Das macht mich richtig glücklich. So liebe ich Digitalisierung.“

 

Zuerst erschienen auf wired.de