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„Digitalisierung ist weit mehr als nur Technologie.“

Olaf Acker, PwC EMEA Digital Services Leader, im Gespräch über Wandel, Perspektiven – und was Albert Einstein damit zu tun hat.

Herr Acker, die digitale Transformation ist in aller Munde. Welche Bedeutung hat sie und wie kann sie gelingen?

Unter digitaler Transformation versteht man zunächst die Veränderung der Welt durch Technologie. Als Definition ist das aber viel zu kurz gegriffen. Technologie ist oftmals nur der Auslöser. Was dann folgt, sind veränderte Kundenerwartungen, neue Wettbewerber und Geschäftsmodelle. In ganz unterschiedlicher Geschwindigkeit. Was die Medienbranche schon Ende der 1990er-Jahre durchgemacht hat, fängt in der Stahlindustrie und der industriellen Produktion gerade erst an. Unternehmen aller Industriebranchen brauchen mehr als inkrementelle, d. h. schrittweise, kontinuierliche Veränderung. Ganzheitliche Transformation braucht einen Perspektivenwechsel.

 

Was ist mit Perspektivenwechsel im Geschäftsumfeld gemeint?

Dazu gibt es ein gutes Zitat von Albert Einstein: „Logic will get you from A to B. Imagination will take you everywhere.“ Wir brauchen neue Wege, um komplexe Probleme zu lösen. Darum ist es notwendig, das Problem aus anderen Richtungen, von anderen Experten beleuchten zu lassen. Außerdem müssen wir der Komplexität den Kampf ansagen. Denken wir zurück: Früher konnte man viele Probleme ganz ohne Technologie lösen, das Thema lag gut abgrenzbar beim CIO. Heute kommt keine Unternehmensstrategie mehr ohne Technologieveränderung aus.

„Neue Geschäftsmodelle entstehen immer aus der Kombination von Geschäftssinn, Kundenerfahrung und der Integration von Zukunftstechnologien.“

Auf dem Markt tummeln sich viele, die Unternehmen erfolgreich durch das digitale Zeitalter führen wollen. Welchen Mehrwert liefert PwC?

Der Wettbewerb ist extrem groß, aber ich bin überzeugt: Weder reine Strategieberater noch reine Technologieberater können die Komplexität großer Transformationsprojekte heute und in Zukunft meistern. Mit unserer Devise „From Strategy through Execution“ sind wir am besten aufgestellt. Unsere Erfahrung zeigt, dass die größten Herausforderungen drei wichtige Angelpunkte haben: Business, Experience und Technology. Wir haben diesen Ansatz „BXT-Modell“ genannt. Neue Geschäftsmodelle entstehen immer aus der Kombination von Geschäftssinn, Kundenerfahrung und der Integration von Zukunftstechnologien. Wir verstehen das Geschäft unserer Kunden und die Relevanz einer umsetzbaren Strategie. Wir nutzen Technologie von Robotics über Künstliche Intelligenz bis hin zu vernetzten Internet-of-Things-Plattformen. Unsere Erfahrung erlaubt es uns, eine Strategie end-to-end umzusetzen. Und vielleicht, ganz nebenbei, die Welt etwas zu verändern.

 

Stichwort Experience: Wo steckt der X-Faktor?

Überall. Experience steht für den Menschen, sein Erleben und seine Erfahrungen. Er fragt nach Design, das wirkt. Und nach Kreativität, die die Vision eines Unternehmens verkörpert. Dazu brauchen wir neue Talente und engere Zusammenarbeit. Wir denken bei neuen Talenten sofort an neue Kollegen mit MINT-Schwerpunkt. Sie sind ohne Zweifel extrem wichtig für uns. Aber sie beantworten nicht die Frage, wie Menschen mit Technik umgehen. Wir haben begonnen, Teams aufzubauen, die in der Lage sind, den Wettbewerbsvorteil für unsere Kunden wahr werden zu lassen. Man stelle sich vor, ein Data Scientist, ein Cyber Specialist, ein Berater, ein Programmierer und der Endkunde treffen aufeinander und bauen innerhalb von einer Woche eine Cyber-Security-App – von der ersten Idee über den Prototypen bis hin zur Umsetzung. So schnell und effizient muss es heute funktionieren. Diese Teams brauchen physischen Raum für Innovation. Diesen geben wir ihnen in unseren Experience Centern.

„Wenn wir wirklich interdisziplinär arbeiten wollen, dürfen wir nicht an Landesgrenzen haltmachen.“

Ein Experience Center ist seit Kurzem in Frankfurt angesiedelt …

Wir haben den Raum im Februar 2017 in der 34. Etage des Tower 185 eröffnet. Das Team arbeitet allerdings schon seit geraumer Zeit an Transformationsprojekten. Wenn wir wirklich interdisziplinär arbeiten wollen, dürfen wir nicht an Landesgrenzen haltmachen. Unser Ziel ist daher ein gemeinsames Experience-Center-Team an drei Standorten: in Amsterdam, Brüssel und Frankfurt. Das Experience Center ist der „Sweet Spot“ für die Transformation unserer Kunden – und unsere eigene. Genau deshalb ist es bereichsübergreifend und arbeitet mit allen Teilen von PwC zusammen, insbesondere auch unseren Experten für Data & Analytics, Cyber Security und Technologie.

 

Welche Digitalisierungsagenda verfolgt PwC intern?

Technologie hat auch unser Unternehmen verändert: Assurance mit automatisierter Prüfung, Tax mit Watson-Technologie, Legal mit Machine Learning, Consulting mit Prototyping. Erfolge sind da, erst kürzlich wurden wir etwa für unsere Assurance-Technologie Halo mit dem Award des International Accounting Bulletin ausgezeichnet. Die Technology Roadmap, die wir gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut entwickelt haben, beschreibt Technologiefelder, in die wir bis 2020 investieren werden: vom Internet der Dinge über Künstliche Intelligenz, Blockchain, Data & Analytics, Humanoid Robotics, Cloud bis hin zu Augmented & Virtual Reality. Bei vielen der Themen haben wir schon gute Fortschritte gemacht, etwa im Cloud-Bereich, mit unserem Engagement beim Industrial Data Space und im Predictive-Maintenance-Umfeld im Internet der Dinge. Die intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Technologien macht den Unterschied. Wir werden insgesamt 250 Millionen Euro in diesen Teil der Transformation unserer Firma investieren.

 

Wie sehen diese Investitionen aus?

Bei Technologie spielen Schnelligkeit und Skalierung die Hauptrolle. Genau deshalb bauen wir ein Team auf, das den gesamten Markt über unsere fünf PwC-Europe-Länder – Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande und Türkei – hinweg bedienen kann. Wir erhöhen durch den Verbund unsere Investitionsschlagkraft massiv. Das gilt nicht nur für Investitionen in Technologie, sondern auch in neue Talente, wirksame Medienkampagnen sowie Akquisitionen und externe Partnerschaften.

 

Welche externen Partnerschaften können das sein?

Ohne ein funktionierendes Ökosystem geht nichts mehr, dafür dreht sich die Welt zu schnell. Wir bauen unser Beratungsportfolio kontinuierlich weiter aus. Nach der Übernahme von PERSICON bieten wir zusammen unser Know-how auf den Gebieten Governance, Risk Management, Datensicherheit und Compliance an und gewinnen besseren Zugang zum Public Sector. Darüber hinaus investieren wir in lokale und globale Partnerschaften mit Fraunhofer, Google, SAP, Salesforce, Microsoft, zunehmend auch in Kooperationen mit kleineren Unternehmen und Start-ups. Mit unserer NextLevel-Initiative filtern wir interessante Start-ups heraus und entwickeln mit ihnen gemeinsame Geschäftsmodelle.

 

Bei so viel Wandel – was muss bleiben?

Das, was uns schon immer ausgemacht hat: unsere Neugierde.

 

 

 

Zur Person

Olaf Acker, geboren in Frankfurt am Main, ist Partner bei PwC Strategy&. Der Vater zweier Kinder ist seit 2015 PwC EMEA Digital Services Leader und spezialisiert auf Digitalisierungsstrategien. Olaf Acker hat an der Universität Würzburg und der London Business School studiert. Wenn er sich nicht gerade mit der Digitalisierung und ihren Auswirkungen beschäftigt, automatisiert er in der Freizeit sein Haus.