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Der Chief Digital Officer (CDO) als Denker und Lenker der Digitalisierung

Was macht eigentlich ein CDO? Und warum müsste die Frage eher heißen: Wie lange macht er es noch? Ein Blick auf die Aufgaben eines Chief Digital Officer als Transmitter der Digitalisierung

Digitalisierung ist ein großes Schlagwort. Für Unternehmen bedeutet sie die kombinierte Herausforderung, sich fit für die Zukunft zu machen und zugleich den Anforderungen der geschäftlichen Gegenwart gerecht zu werden. Digitalisierung ist dabei kein starres Konstrukt, sondern sie ist ständig in Bewegung. Ihre Dynamiken lassen sich nicht festlegen wie der Vier-Jahres-Rhythmus einer Fußball-Weltmeisterschaft. Sie ist damit gleichsam zur zeitgenössischen Inkarnation des Wandels geworden.

 

Im Spannungsfeld der Digitalisierung

So wirft die Digitalisierung Umwälzungen und Revolutionen auf, die bleiben, und schafft Veränderungen, die wieder vergehen. Und genau in diesem Spannungsfeld findet sich auch der CDO, der Chief Digital Officer, wieder.

„Digitalisierung findet für ein Unternehmen nicht nur beim Kunden, im Backoffice oder in der Fabrik statt, sondern durchdringt alle Teile der Wertschöpfungskette. Oft aber haben verschiedene Teile des Unternehmens sich unterschiedlich schnell mit der Digitalisierung auseinandergesetzt. Als Folge sind diese Bereiche weder koordiniert noch zusammenhängend, sondern wie ein Puzzle, von dem niemand ein Bild hat“, erklärt Olaf Acker, Managing Director bei PwC Strategy& in Frankfurt.

„Also braucht man den CDO, der diese Puzzlestücke so zusammenstellt, dass ein Bild entsteht – eine Vision, wo man als Unternehmen hinwill.“ Olaf Acker, Strategy&

Der Chief Digital Officer im Wandel der Zeit

 

Ein Chief Digital Officer ist also Feuerwehrmann wie Visionär, ist Ausputzer und Stratege in Personalunion. Er oder sie muss im Idealfall jedoch nicht nur die digitalen Fäden ziehen, die das Unternehmen effizienter, moderner und strategischer machen, sondern diese Pläne vor allem auch intern vermitteln. Dabei ist nicht jeder Postenchef, der sein Lager seit dreißig Jahren auf die gleiche Weise geführt hat, empfänglich für den Vorschlag eines Neuankömmlings, wie diese Abläufe nun vernetzter zu bewältigen sind.

„Die Herausforderung ist, den Menschen die Chancen begreifbar zu machen, wie sie sich weiterentwickeln können.“ Olaf Acker, Strategy&

„Die meisten Unternehmen rekrutieren CDOs aus Firmen, die anders sind als sie selbst. Wer also etwa ein eher traditionelles Chemieunternehmen führt, rekrutiert eher jemanden, der zuvor bei Google oder Amazon tätig war.“

 

Unternehmen, die sich der Digitalisierung etwas zögerlicher genähert haben, haben den Stellenwert eines CDOs auf jeden Fall erkannt: Die Zahl von Unternehmen, die CDOs beschäftigen, ist laut einer PwC-Studie von 6 % im Jahr 2015 auf 19 % im Jahr 2016 gestiegen. Olaf Acker und sein Team zeichnen dabei ein Bild von fünf CDO-Archetypen, die sich in der Praxis bewährt haben: der Progressive Thinker, der Creative Disrupter, der Customer Advocate, der Innovative Technologist und der Universalist.

 

Wie sich diese Unterschiede in der Praxis zeigen? Der Progressive Thinker entwickelt Ideen, um die Digitalisierung in ein digitales Geschäftsmodell zu übersetzen. Der Creative Disrupter bietet einen praxisnäheren Zugang zur fortlaufenden Entwicklung neuer digitaler Technologien, Geschäftsmodelle und Lösungen. Der Customer Advocate orientiert sich hauptsächlich am Markt sowie an der Kundenzufriedenheit, während der Innovative Technologist vor allem den Einsatz neuer digitaler Technologien zur Umwandlung der gesamten Wertschöpfungsketten eines Unternehmens fördert. Und der Universalist ist – trotz der vielleicht neutralsten Bezeichnung – der visionärste der fünf Archetypen, da er alle zentralen Aspekte einer digitalen Transformation verantwortet und über Expertise in mehreren Bereichen wie Marketing, Technologie und Change Management verfügt.

 

Die Digitalisierung frisst ihre Kinder

Eines aber haben alle fünf Archetypen gemeinsam: Es wird sie in ein paar Jahren vermutlich nicht mehr geben.

 

Warum? Weil die Digitalisierung dann so weit fortgeschritten ist, dass sie einen integralen Bestandteil eines Unternehmens darstellt, praktisch in die DNA einer Firma übergegangen ist. Anders formuliert: Unternehmen sind dann so weit in der Digitalisierung angekommen, dass diese nicht mehr als solche wahrgenommen wird. Als beispielsweise das Thema Cloud Computing Mitte des letzten Jahrzehnts aufkam, war es neu und revolutionär. Aber niemand würde heute – etwas mehr als zehn Jahre später – noch auf die Idee kommen, einen Cloud Data Officer einzustellen. Die Cloud ist zu einem herkömmlichen Toolkit geworden, das Unternehmen für ihre Geschäftsmodelle anwenden.

„Mein Bauchgefühl sagt mir, dass CDOs im Jahre 2020 nicht mehr notwendig sein werden.“ Olaf Acker, Strategy&

„Aber das wird schleichend passieren, das Berufsbild wird nicht von heute auf morgen mit einem großen Peng von der Bildfläche verschwinden.“

 

Der CDO ist also das beste Beispiel für das Wesen der Digitalisierung – für diese Dynamik, der die Digitalisierung unterliegt und die sie beständig vorantreibt. Es ist daher kein Widerspruch, dass der CDO – wenn er seinen Job gut erfüllt – sich selbst überflüssig macht. Es ist nur das Wesen der Dinge.

 

Die Zukunft sollte aber über eines nicht hinwegtäuschen – wie spannend es ist, in unserer Gegenwart CDO zu sein.