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Zukunft der Arbeit /

Der Autor Martin Ford warnt vor dem Erwachen der Roboter

Der Autor Martin Ford warnt in seinem neuen Buch „Rise of the Robots“ vor einer durchautomatisierten Welt, in der es für Menschen nicht mehr genug Arbeit geben wird. Ist das realistisch? Wir haben ihn interviewt.

WIRED: „Rise of the Robots“ — das das klingt eher nach einem bedrohlichen „Terminator“-Sequel als nach einem Sachbuch. Müssen wir uns wirklich so viele Sorgen machen?

Martin Ford: Nun, es kommt drauf an. Ich glaube, grundsätzlich könnte das Aufkommen immer smarterer und fähigerer Maschinen etwas sehr Gutes bedeuten: Sie könnten immer mehr unserer Arbeiten übernehmen — gerade jene, die unangenehm ist und die keiner machen will. Das heißt, es könnte uns Menschen damit theoretisch auch viel besser gehen als heute.

 

WIRED: Aber?

Ford: Dem steht leider ein großes Verteilungsproblem gegenüber. Die meisten Menschen beziehen zurzeit nun mal aus Jobs ihr Einkommen. Heißt, wenn Maschinen immer mehr Jobs übernehmen, fallen diese Einkommen weg. In Deutschland ist das vielleicht nicht so schlimm wie in den USA. Ihr habt ein funktionierendes Sozialsystem. Bei uns hingegen landet man ohne Job sehr schnell auf der Straße — und das ist eben der Punkt: Nur wenn man dieses Verteilungsproblem löst, kann der „Rise of the Robots“ etwas Positives sein.

„Selbst Manager werden ersetzbar, weil bald Maschinen die besseren Entscheidungen treffen können.“

 WIRED: Wie könnte man es denn lösen?

Ford: Wir müssen über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachdenken. Ein die Existenz sicherndes Einkommen für jeden, egal ob er arbeitet oder nicht. Das ist nicht neu. Und viele halten das für eine verrückte Idee. Aber ich weiß nicht, wie man den zu erwartenden Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt sonst begegnen könnte.

 

WIRED: Nun, die Geschichte zeigt: Bisher hat sich der Arbeitsmarkt bei allen technologischen Umwälzungen immer als sehr robust erwiesen. Wenn Berufe wegfielen, entstanden immer neue, oft bessere.

Ford: Das stimmt. Die konventionelle Lösung war bisher immer Bildung. Menschen lernten neue Fähigkeiten, um dann in neuen Sektoren des Arbeitsmarktes Fuß zu fassen. Aber das wird dieses Mal nicht so gut funktionieren wie einst bei der industriellen Revolution.

 

WIRED: Warum?

Ford: Weil bisher in der Regel manuelle Arbeit, also Muskelkraft von Maschinen übernommen wurde. Jetzt sind Maschinen in der Lage, Brainpower zu ersetzen — Intelligenz. Algorithmen versetzen die Maschinen in die Lage, immer mehr Dinge und Fähigkeiten zu erlernen, für die man früher einen denkenden Menschen brauchte. Das heißt, es fallen nicht nur mehr Jobs weg, die Ausweichmöglichkeiten für Menschen, deren alte Jobs verschwinden, sind auch viel geringer, als das bei früheren Umbrüchen der Fall war. Dazu kommt: Nicht jeder ist überhaupt in der Lage, mal eben Datananalyst zu werden. Menschen haben eine Grenze, bis zu der sie weiter ausgebildet werden können. Und selbst wenn es diese Grenze nicht gäbe, gäbe es gar nicht genug dieser neuen, anspruchsvolleren Jobs. Anwälte, Radiologen, selbst viele solcher sehr hochqualifizierter Jobs sind ja heute auch schon von Maschinen bedroht. Selbst die Manager werden ersetzbar, weil dank Big Data und immer besseren Algorithmen bald Maschinen bessere Entscheidungen treffen können, als wir.

„Wir müssen über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachdenken.“
Martin Ford

Martin Ford

WIRED: Vielleicht fehlt uns aber auch die Phantasie dafür, welche neuen Möglichkeiten und Jobs entstehen werden. Wer hätte noch vor zehn Jahren geglaubt, wie viele Jobs es durch das Netz geben würde?

Ford: Natürlich entstehen auch neue Sachen, aber die schiere Menge der Jobs, die von der Übernahme durch Maschinen bedroht sind, werden diese meiner Meinung nach nicht auffangen können. Denken sie an all die Taxifahrer, all die Leute die irgendetwas fahren, transportieren. Diese guten alten Mittelklassejobs. Bald alle weg!

 

WIRED: Wenn diese drastischen Änderungen tatsächlich bevorstehen, wie können sich Gesellschaften darauf vorbereiten? Wie sollen sie damit umgehen?

Ford: Was wir brauchen, ist zu allererst eine Debatte darüber. Die findet zur Zeit überhaupt nicht statt — auf politischer Ebene schon gar nicht. Weil es für Politiker auch pures Gift wäre, all das anzusprechen. Es macht den Menschen einfach zu viel Angst. Aber irgendwann wird es sich nicht mehr ignorieren lassen. Und dann können wir nur hoffen, dass der Prozess noch lange genug dauert, dass wir genug Zeit haben unser System anzupassen und Ideen zu entwickeln, wie wir mit alldem umgehen wollen.

 

Zuerst erschienen auf wired.de