Interesse?

News-Feed

Die Digitalisierung bedeutet auch für die Finanzwelt große Umwälzungen. Junge FinTechs und etablierte Finanzdienstleister wagen immer öfter ein Tänzchen miteinander. Da stellt sich die Frage: Sind FinTechs der neue Mainstream?

Im angloamerikanischen Sprachraum gibt es eine bekannte Redewendung: „If you canʼt beat them, join them.“ Es bedeutet sinngemäß: Wen du nicht besiegen kannst, mit dem verbrüdere dich.

 

Der Spruch scheint wie gemacht für die derzeitige Beziehung zwischen etablierten Finanzdienstleistern und FinTech-Start-ups. Wie die „Global FinTech Survey 2017“, eine groß angelegte Umfrage von PwC, ergeben hat, räumen 88 Prozent aller Finanzdienstleister ein, dass sie damit rechnen, in Zukunft Marktanteile an Finanz-Start-ups zu verlieren. Gleichzeitig gehen Banken und Versicherer immer mehr Kooperationen mit FinTechs ein.

 

„Statt die Newcomer zu bekämpfen, sucht das Establishment den Schulterschluss“, interpretiert Sascha Demgensky, Verantwortlicher für das Thema FinTech bei PwC Deutschland, die Umfrage unter 1.300 Branchenmanagern in 71 Ländern.

 

So kooperieren global gesehen mittlerweile 45 Prozent aller Finanzdienstleister mit FinTechs. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es gerade einmal 32 Prozent. Noch stärker zeigt sich dieser Trend in Deutschland. Hier arbeiten schon sieben von zehn Finanzdienstleistern mit FinTechs zusammen. So ging etwa die Deutsche Kreditbank (DKB) bereits 2015 eine Kooperation mit dem Zahlungsanbieter Cringle ein, der das Versenden von Geld per Smartphone vereinfacht.

 

Umdenken durch Unterschiede

 

„Das Verhältnis zwischen Banken und Start-ups hat sich innerhalb der vergangenen 24 Monate stark weiterentwickelt. Im Grunde ist FinTech der neue Mainstream“, führt Sascha Demgensky weiter aus.

Allerdings dürfe man diese Entwicklung nicht mit einer Kapitulation der traditionellen Finanzindustrie verwechseln. Im Gegenteil: Der Umfrage zufolge wollen 77 Prozent aller etablierten Player in Zukunft deutlich mehr Fokus auf Innovationen legen. 56 Prozent geben sogar an, das Thema Disruption ins Zentrum ihres Geschäftsmodells zu stellen.

Grafik 1: Technologische Investitionsbereiche

Kein Wunder, denn gerade in diesem Bereich bestehen noch erhebliche Differenzen: 30 Prozent der großen Finanzdienstleister sehen beim Thema Künstliche Intelligenz in den nächsten zwölf Monaten einen Investitionsbedarf, während FinTechs fast zur Hälfte (46 %) in diesen Bereich investieren. Außerdem betrachten beinahe drei von vier FinTech-Firmen (74 %) den Bereich Data & Analytics als wichtigstes Investitionsfeld für ihre Unternehmen im kommenden Jahr.

„Wenn nicht alles täuscht, dann sind viele Finanzdienstleister gerade dabei, sich selbst auch als Technologieunternehmen zu begreifen“ Sascha Demgensky

Grafik 2: Konzentration auf aufkommende Technologien

Annähern, nicht angleichen

 

Wenig verwunderlich erscheint auch das, was als größte Herausforderung für die Zukunft betrachtet wird: unterschiedliche Auffassungen in Management- und Unternehmenskultur. Für Befragte von FinTech-Firmen macht dieser Punkt mit 55 Prozent sogar die größte Komponente aus. Wie bei den meisten Branchen, die durch die Digitalisierung vor Umwälzungen stehen, rückt eben auch in der Finanzbranche nicht nur das „Was“ der Arbeit, sondern auch das „Wie“ der Tätigkeit in den Fokus – zumindest, wenn es um zukünftige Mitarbeiter geht.

Hier bieten FinTechs mit ihren wendigeren Modellen ein breiteres Spektrum an Diversität und für ihre Mitarbeiter eine größere Möglichkeit, in einem flexiblen System anstatt in einer starren Hierarchie zu agieren. FinTech-Firmen passen sich schneller an technologische Vorteile an und sind weniger bürokratisch, während herkömmliche Finanzdienstleister oft mit einem starreren System arbeiten.

If you canʼt beat them …

 

Die Annäherung der beiden Sektoren – ob gewollt oder forciert – ist jedenfalls nicht mehr rückgängig zu machen. Klar ist, dass über FinTechs in der Finanzwelt genauso selbstverständlich gesprochen wird wie über Airbnb bei der Suche von Ferienwohnungen.

Vielleicht heißt es für sie ja heute noch: „If you canʼt beat them, learn from them …“